Zum Inhalt springen

Vom Getränk zum Auftafeln – Die Kulinarik der Sächsischen Damfschifffahrt

Wenn Petra Henke über Kulinarik an Bord spricht, dann erzählt sie nicht von Trends, sondern von Entwicklung. Von einem langen Weg, der nicht geplant war, sondern gewachsen ist – mit den Schiffen, mit den Gästen und mit den Menschen, die daran gearbeitet haben.

In den Anfangsjahren der Dampfschifffahrt stand Essen kaum im Fokus. Die Schiffe waren Transportmittel. Man stieg ein, fuhr von Anleger zu Anleger – oft „von Milchkanne zu Milchkanne“, wie Petra es nennt. Wer unterwegs war, hatte sein Huhn unterm Arm, seine Ware im Sack oder einfach nur den Weg vor sich. Wenn es überhaupt etwas gab, dann Getränke und einfache Speisen. Mehr nicht.

In der DDR-Zeit wurde die Bockwurst zum Symbol der Bordgastronomie. Dazu eine Suppe aus der Kombüse, ein Bier, eine Limo. Zweckmäßig, unkompliziert, funktional. Die Versorgung lag damals bei der externen Gastronomiekette „Mitropa“, die bis Ende der 1990er Jahre für das Essen auf den Schiffen verantwortlich war.

Der Wendepunkt kam 1998 – eher beiläufig, fast zufällig. Bei einem Gespräch, einem Glas Wein, entstand die Idee, die Gastronomie an Bord neu zu denken. Nicht als Anhängsel, sondern als Teil des Gesamterlebnisses. Daraus entstand die Flotte Schiffsgastronomie GmbH – mit Unterstützung von Hilton International. Das Büro war im Hilton, gekocht wurde weiterhin in der eigenen Landküche am Terrassenufer.

Was folgte, war kein schneller Sprung, sondern ein Prozess. Ticketverkauf, Schiffsanmietung und Gastronomie waren formal getrennt – für die Gäste jedoch immer eins. Also rückte man näher zusammen. Petra Henke und ihre Kolleginnen gingen gemeinsam zu Kunden: eine für das Schiff, eine für das Essen. Daraus entstand später ein gemeinsames Charterportal, ein gemeinsamer Auftritt, eine gemeinsame Haltung.

Die größte Herausforderung war nicht das Kochen, sondern das Denken. Nautik und Gastronomie mussten lernen, sich als ein Team zu verstehen. Jedes Schiff ist anders, jeder Kapitän hat sein „Wohnzimmer“, jede Steckdose, jeder Handgriff zählt. Kulinarik an Bord ist kein Restaurantbetrieb an Land – sie ist Bewegung, Technik, Timing und Kommunikation.

Heute reicht das Spektrum von einfacher Bordverpflegung bis zu fein abgestimmten Menüs, Buffets und Eventkonzepten. Nicht, weil es schicker sein muss, sondern weil Gäste Erwartungen haben. Und weil Gastgeberinnen wie Petra Henke diese Erwartungen ernst nehmen.

Was sich dabei nie geändert hat, ist der Kern: Gastgeber sein. Mit Freude, mit Gelassenheit, mit Erfahrung. Fehler können passieren – entscheidend ist, wie man damit umgeht. Für Petra ist klar: Jeder Gast verdient dieselbe Aufmerksamkeit, egal ob vor 20 Jahren oder heute.

So erzählt die Kulinarik an Bord keine Geschichte von Luxus, sondern von Haltung. Von Zusammenwachsen. Von einem Erlebnis, das erst dann rund wird, wenn Schiff, Fahrt, Service und Essen zusammenpassen.

Oder, wie Petra es lebt:
Zeit auf dem Fluss. Und Genuss, der dazugehört.

Label