
Vier Zentimeter, ein Aprilscherz – und ein legendäres Fotofinish
Am 1. April 2010 lieferten sich zwei Dampfer ein Wettrennen am Blauen Wunder, moderiert von Böttcher & Fischer. Eigentlich sollte alles in einem freundlichen Unentschieden enden – doch einer der Moderatoren hatte andere Pläne.
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Mehr InformationenEs gibt Erlebnisse, die man plant – und dann gibt es jene, die sich einfach selbst schreiben. Das große RSA-Dampfer-Wettrennen am 1. April 2010 gehört zu den Momenten, die ohne große Ankündigung zu Legenden wurden. Zwei historische Dampfer, zwei bekannte Radiostimmen, ein Ziel am Blauen Wunder – und ein überraschender Ausgang, der in keinem Ablaufplan stand.
Schon beim Ablegen war die Stimmung außergewöhnlich. Auf dem PD „Stadt Wehlen“ stand Thomas Böttcher, in seinem typischen, leicht überdrehten, unberechenbaren Moderationsmodus. Auf dem PD „Pirna“: sein Kollege und Gegenpol Thomas Fischer, gelassen, sachlich, zuverlässig – einer, der die Situation im Blick hatte, aber nicht unbedingt ahnte, was auf ihn zukommen würde.
Die Regie sah ein freundliches Fun-Duell vor.
Ein Wettrennen, das bei aller Spannung vor allem ein gemeinsames Ankommen vorsah.
Gleiche Bedingungen, gleiches Ziel, gleicher Jubel.
Und zunächst lief genau das:
Beide Dampfer kamen perfekt synchron in Fahrt.
Schaufelraddruck, Elbgeräusch, Passagierjubel – alles parallel.
Zwischen den Schiffen herrschte eine Mischung aus Wettbewerb und Festivalstimmung. Die Passagiere feuerten ihre Radioteams an, am Ufer sammelten sich Zuschauer, und der Blick zum Blauen Wunder wirkte wie der Countdown einer kleinen Dresdner Inszenierung.
Kurz vorm Ziel lagen beide Dampfer exakt auf gleicher Höhe.
Rumpf an Rumpf.
Deck an Deck.
Ein Bilderbuch-Unentschieden, so sauber, wie man es für diesen Tag erhofft hatte.
Doch wer Thomas Böttcher kennt, weiß:
Wenn der Moment groß ist, wird er größer.
Und genau dort, im letzten Abschnitt vor dem Blauen Wunder, passierte es.
Mit einem Impuls, der irgendwo zwischen Instinkt, Chaos und Komik lag, rief Böttcher seinem Publikum – und vielleicht auch sich selbst – zu, jetzt „alle Register zu ziehen“. In seiner typischen Art, halb Showmann, halb Schelm, kletterte er ganz nach vorn an den Bug des PD „Stadt Wehlen“. Und dann tat er etwas, das nur er als sportlichen Vorteil erkannt hätte:
Er streckte seinen improvisierten Verlängerungsstab, am Ende mit einer Fahne bestückt, noch ein entscheidendes Stück weiter nach vorn.
Nicht viel.
Nicht heroisch.
Nicht technisch relevant.
Aber eben doch: vier Zentimeter.
Für zwei Dampfer von über 50 Metern Länge ist das eigentlich nichts – und genau deshalb war es alles.
Im Fotofinish zeigte sich:
Der PD „Stadt Wehlen“ lag vier Zentimeter vor dem PD „Pirna“.
Vier Zentimeter, die so winzig wirkten, dass selbst die Crew zweimal hinsah.
Und während Thomas Fischer auf dem PD „Pirna“ über den Bug hinweg Richtung PD „Stadt Wehlen“ blickte, war klar:
Das hier war kein Wettrennen mehr.
Das war eine Geschichte zum Weitererzählen.
Böttcher selbst hätte diesen Moment wahrscheinlich mit einem Augenzwinkern kommentiert – so, wie es nur er kann. Etwas in der Art von: „Da soll mal einer sagen, vier Zentimeter machen keinen Unterschied.“
Nicht als Zitat, sondern als Tonfall, der die Szene perfekt beschreibt.
Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Wettrennen, das nie einen echten Sieger brauchte – aber einen bekam, weil einer der beiden Moderatoren die Show zu ernst nahm, um sie ernst zu nehmen.
Für die Sächsische Dampfschifffahrt wurde es eines dieser Ereignisse, die man heute mit einem Grinsen erzählt: ein Aprilscherz, der mit historischem Gerät gefahren wurde und doch wirkte, als hätte jemand kurzzeitig Comedy in die Schaufelräder gestreut.
Zwei Dampfer, ein Radioduell, ein Fotofinish –
und vier Zentimeter, die Elbgeschichte schrieben.
Glückwünsche gabs natürlich auch!
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