
„Soll es doch heißen wie sein König.“ – “König August der Starke” auf Besichtigung
Man stelle sich vor, der Namensgeber selbst würde das MS „August der Starke“ chartern. Für eine Tagung. Für viele Gäste. Für die heutige Zeit.
Man stelle sich einen Moment vor, der historisch unmöglich ist – und gerade deshalb aufschlussreich ist.
„August der Starke“, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, möchte einen runden Geburtstag feiern. Nicht im Schloss. Nicht im Ballsaal. Sondern auf dem Fluss. Und so steht er nun am Elbufer und betrachtet ein Schiff, das seinen Namen trägt.
Ein Mitarbeiter der Event-Abteilung beginnt zu erklären.
Dies sei das Motorschiff „August der Starke“. Gebaut 1994. Kein Dampfer. Keine Schaufelräder. Stattdessen ein Schiff, das für die Bedingungen der Elbe konzipiert wurde: geringer Tiefgang, breite Decks, hohe Betriebssicherheit. Ein Schiff, das man nicht bestaunt, sondern nutzt.
Der König hört zu. Er lässt sich führen. Über die Decks, durch die Räume. Man erklärt ihm, dass dieses Motorschiff nicht aus Repräsentationslust entstand, sondern aus Notwendigkeit. Dass man Anfang der 1990er Jahre bewusst entschied, Neues zu bauen, statt Altes teuer zu rekonstruieren. Dass Förderungen für Neubauten genutzt wurden, um die Flotte zukunftsfähig aufzustellen.
Er nickt. Das kennt er.
Man spricht von Vielseitigkeit. Von Tagungen, Feiern, großen Veranstaltungen. Von einem Schiff, das viele Menschen aufnehmen kann, ohne unübersichtlich zu werden. Von klaren Abläufen, geringem Personalaufwand, funktionalen Räumen. Von Komfort, der nicht protzt, sondern trägt.
Der König fragt nach der Fahrt.
Man erklärt ihm den Schottel-Pumpjet-Antrieb. Flachwassertauglich. Wendefähig. Zuverlässig. Entwickelt für genau dieses Revier. Keine Spielerei, sondern bewährte Technik. Man erwähnt die leichte Bauweise, die breiteren Decks zur Tiefgangsverminderung, die Planung durch spezialisierte Ingenieure, die Bauzeit von nur 14 Monaten.
„August der Starke“ lächelt. Reformen, Effizienz, Anpassung an Gegebenheiten – auch das ist ihm vertraut.
Dann spricht man über die Gegenwart. Über die Modernisierung in der Werft Laubegast. Neues Interieur. Neue Farbgestaltung. Technische Erneuerungen wie Sprinkleranlage, Abwasseranlage, die Revision des Antriebs. Man sagt: Moderne ist kein Zustand. Sie muss gepflegt werden.
Der König bleibt stehen. Blickt auf die Elbe. Auf die Dampfer in der Nähe. Auf Schiffe wie den PD „Diesbar“, die mit jahrhundertealter Technik fahren. Und er versteht den Unterschied sofort.
Dieses Motorschiff will nichts übertreffen. Es will ermöglichen.
Am Ende der Führung stellt er nur eine Frage:
Trägt es die Gäste?
Hält es die Ordnung?
Erlaubt es Gespräche, Entscheidungen, Zusammenkünfte?
Man antwortet: Ja.
Und dann, so darf man es sich vorstellen, sagt „August der Starke“ etwas, das zeitlos ist: Nun denn, es trägt wohl diesen Namen nicht umsonst.
Nachsatz: Moderne will gepflegt sein
Dass das Motorschiff „August der Starke“ heute zuverlässig, flexibel und wirtschaftlich eingesetzt werden kann, ist kein Zufall. In den vergangenen Jahren wurde das Schiff für erhebliche Mittel saniert und modernisiert – nicht aus Nostalgie, sondern aus Verantwortung.
Rumpf, Technik und Aufbauten wurden überprüft und instandgesetzt, Innenräume neu gestaltet, Abläufe für Gastronomie, Charter und Veranstaltungen optimiert. Sicherheits- und Betriebsanforderungen wurden angepasst, der Außenauftritt erneuert und in das Flotten- und Markendesign integriert.
Anders als bei den denkmalgeschützten Raddampfern ging es dabei nicht um historische Rekonstruktion, sondern um funktionale Zukunftsfähigkeit.
Heute ist das MS „August der Starke“ ein tragendes Arbeitsschiff der Flotte:
für Abendfahrten, Events, Gastronomieformate – und als verlässliche Ergänzung, die historische Einheiten entlastet.
Modern. Belastbar. Und bereit für alles, was kommt.