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Raus aus dem Wasser – Der Slipvorgang des PD “Dresden”

Wenn ein historischer Raddampfer die Elbe verlässt, ist das kein beiläufiger Moment. Es ist ein Vorgang, der Kraft verlangt, Erfahrung und Vertrauen in Technik, die man nicht sieht, aber spürt.

Am 30. Januar 2025 fuhr der PD “Dresden” zur Werft Laubegast. Kurz darauf begann der Slipvorgang. Der Dampfer wurde in vierter Lage geslippt und anschließend auf Pallungen gesetzt. Stahlstützen, Balken, Hölzer und Keile übernehmen dabei eine Aufgabe, die sonst das Wasser erledigt: Sie tragen das Gewicht des Schiffes und halten es sicher in Position.

Plötzlich steht ein tonnenschwerer Raddampfer an Land.

Für die Werft ist das Alltag. Für Außenstehende ist es ein Moment, der fast unwirklich wirkt. Ein Schiff, gebaut dafür zu schwimmen, ruht nun auf festem Grund. Erst jetzt wird sichtbar, was im Betrieb verborgen bleibt: der Rumpf, die Räder, die Linien des Unterwasserschiffs.

In Laubegast begann die detaillierte Arbeit. Eine Bodenuntersuchung wurde durchgeführt, der Schiffsrumpf neu gestrichen, zum Radbau verschlissene Gleitlagerbuchsen ersetzt. Das Maschinenpersonal überarbeitete die Ventile der Dampfmaschine – präzise, ruhig, routiniert.

Auch an Bord wurde gearbeitet. Die Kajüten der Besatzung im Heck wurden neu gebaut. Für jedes Besatzungsmitglied gibt es nun eine eigene Kajüte sowie zusätzliche Spinde für Ablösekollegen. Der Werfttischler erneuerte das Bergholz vom Radkasten bis zum Heck – Holzarbeit, die man sieht und spürt.

Der Slipvorgang ist damit weit mehr als ein technischer Akt. Er ist so etwas wie der TÜV eines historischen Dampfers. Alles wird geprüft, was später zuverlässig funktionieren muss. Stillstand an Land, damit Bewegung auf dem Wasser möglich bleibt.

Am 19. März 2025 wurde der PD “Dresden” wieder abgeslippt und zur Mittelbrücke verholt. Wenige Tage später, am 27. März, folgte die Probefahrt. Danach kehrte das Schiff an seinen Liegeplatz am Terrassenufer zurück – bereit für den Einsatz.

Was bleibt, ist der Eindruck einer Arbeit, die selten sichtbar ist. Und doch entscheidend dafür, dass diese Schiffe fahren können. Slipvorgänge sind Momente, in denen Geschichte angehoben, gehalten und wieder freigegeben wird.

Ohne großes Aufsehen.
Mit großer Wirkung.

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