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„Nun zeigen Sie mir, was ich erlaubt habe“

Das Jahr 1837 liegt in Bewegung. Die Elbe ist nicht mehr nur Fluss, sie wird Idee, Versprechen, Verbindung. Dampf ist das Wort der Zeit. Maschinen treten aus den Werkhallen hinaus in die Landschaft, und wer genau hinsieht, erkennt: Hier verändert sich etwas Grundsätzliches.

König Friedrich August II. war es, der diesen Wandel nicht nur beobachtete, sondern ermöglichte. Mit seiner Unterschrift und seinem Siegel gab er zwei Kaufleuten das Recht, die Elbe dampfbetrieben zu befahren. Ein königlicher Akt – und doch einer mit bürgerlicher Wirkung. Handel, Reise und Alltag sollten sich verändern.

Nun steht der König selbst an Bord des Personendampfers „Königin Maria“.

Der Dampfer liegt bereit. Die Schaufelräder ruhen noch, das Deck ist gefüllt mit feinen Damen und Herren, Kaufleuten, Beamten, neugierigen Blicken. Man trägt gute Kleidung, hält sich an der Reling, schaut nach links und rechts auf die Ufer. Johannstadt gleitet vorbei, Weinberge zeichnen sich ab, erste Dörfer, erste Gärten. Die Elbe zeigt sich ruhig, fast einladend.

Der König schreitet über das Deck. Sein Blick ist prüfend, nicht misstrauisch. Er will verstehen, was aus seiner Entscheidung geworden ist.
„Ein ansehnliches Schiff“, sagt er. „Man wird darüber sprechen.“

Neben ihm Kapitän Carl Naumann. Kein Höfling, kein Redner. Ein Mann aus der Praxis, selbstständig, ruhig, bürgerlich im besten Sinne.
„Es fährt zuverlässig, Majestät“, antwortet er schlicht.

Der König bleibt stehen, blickt über das Wasser.
„Und sagen Sie“, fragt er, „was genießt man an Bord?“

Naumann lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
„Man isst gut, Majestät“, sagt er. „Und man trinkt ordentlich.“

Der König hebt die Augenbraue.
„Erläutern Sie.“

Naumann zählt auf, wie man es tut, wenn man nichts beschönigen muss:
Bier – aus Bayern, ebenso wie aus dem Waldschlösschen.
Dazu Lendenbraten, Rostbraten, Gulasch.
Weiche Eier für den frühen Hunger.
Gemüse, Butterbemmchen mit Rinderbraten.
Und zum Abschluss eine Linzer Torte.

Der König hört aufmerksam zu. Während das Schiff Fahrt aufnimmt und Meißen näher rückt, mischen sich Gespräche, das leise Schlagen der Räder, der Blick auf Burgen und Weinberge. Die feinen Leute nicken zustimmend. Man fühlt sich gesehen, gemeint, eingeladen.

Der König lächelt.
„Nicht nur satt also“, sagt er, „sondern zufrieden.“

„Genau das, Majestät“, antwortet Naumann.

Die Fragen gehen weiter.
Wie weit man fahren könne.
Wie schnell.
Ob man regelmäßig verkehre.
Was die Menschen am Ufer dächten, wenn dieses Schiff vorbeizieht.

Naumann erklärt ruhig. Keine großen Worte. Er spricht von Verlässlichkeit, von Planung, von einer neuen Selbstverständlichkeit des Reisens. Dass man morgens aufbricht und abends ankommt. Dass der Fluss nicht länger Grenze ist, sondern Weg.

Der König blickt noch einmal über die Elbe, über die Menschen an Deck, über die Landschaft.
„Dann“, sagt er schließlich, „war meine Entscheidung richtig.“

Die Fahrt endet würdevoll. Der König verlässt das Schiff zufrieden, mit dem Gefühl, etwas in Gang gesetzt zu haben, das Bestand haben wird.

Als er außer Hörweite ist, lehnt sich Naumann zu seinem Steuermann. Er senkt die Stimme.
„Na Gott sei Dank“, sagt er trocken, „hat er nicht nach dem Rückwärtsgang gefragt.“

Der Steuermann grinst.

Denn das wissen hier nur die Bürger unter sich:
Wenn der Personendampfer „Königin Maria“ in der Talfahrt wenden muss, muss geankert werden.

Und so beginnt sie – die Sächsische Dampfschifffahrt.
Mit Fortschritt, Vertrauen
und ein paar Dingen, die man erst später erklärt.

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