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Liebe entlang der Elbe – Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“

Manche Schiffe haben mehr als eine Heimat.

Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ wurde ursprünglich für die Weser gebaut. Dort sollte er fahren, dort war sein Revier gedacht. Doch wie so oft bei Schiffen mit Geschichte blieb es nicht bei einem einzigen Fluss. Wege änderten sich, Zuständigkeiten verschoben sich – und aus einem regionalen Dampfer wurde ein Botschafter zwischen Flüssen.

Heute wird der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ von einem Verein in Lauenburg, kurz unterhalb von Hamburg, betrieben. Ehrenamtlich, mit großem Engagement und mit dem Bewusstsein, Teil einer größeren Dampferfamilie zu sein. Einer Familie, die sich nicht über Besitz definiert, sondern über Herkunft, Bauart und gemeinsame Geschichte.

Gerade an der Elbe wird diese Verbundenheit sichtbar. Nicht jedes Schiff kann jede Strecke fahren. Brücken, Durchfahrtshöhen und Fahrwasser setzen Grenzen. So kommt es, dass man sich manchmal nicht auf dem gleichen Schiff begegnet – sondern auf dem gleichen Fluss, an Übergängen wie Lauenburg. Dort steigen Menschen um. Und dort treffen sich Dampfer, die sich verstehen, auch wenn sie nicht dieselbe Strecke teilen.

Wenn dann ein Schiff wie der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ elbaufwärts fährt, ist das mehr als eine Reise. Es ist ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass diese Schiffe sich nicht als Einzelstücke begreifen, sondern als Teil eines Netzwerks entlang der Elbe.

Zu seinem 125. Geburtstag im Jahr 2025 kehrte der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ nach Dresden zurück. Ein Besuch, der von der Sächsischen Dampfschifffahrt begeistert aufgenommen wurde. Kein offizieller Akt, kein Pflichttermin – sondern ein herzliches Wiedersehen. Ein Dampfer, der für einen anderen Fluss gebaut wurde, kam zurück an einen Ort, an dem man ihn verstand.

Diese Geschichte ist keine Geschichte der Rückkehr im klassischen Sinne. Der Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ gehört nicht „zurück“ nach Dresden. Er gehört dorthin, wo Dampfer sich begegnen. Wo sie erkannt werden. Wo man weiß, was es bedeutet, ein solches Schiff zu erhalten und zu betreiben.

Vielleicht ist das die eigentliche Dampferliebe entlang der Elbe:
Dass man sich nicht messen muss.
Dass man sich nicht erklären muss.
Dass ein Blick auf die Schaufelräder reicht.

Gebaut für die Weser.
Willkommen an der Elbe.
Und immer Teil der gleichen Familie.

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