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Leben mit Pegelständen – Arbeiten zwischen Hoch und Niedrigwasser

Seit Generationen richtet sich die Sächsische Dampfschifffahrt nach dem Wasserstand der Elbe. Ein Alltag, der Erfahrung, Flexibilität und Respekt vor dem Fluss verlangt.

Wer auf der Elbe arbeitet, plant nie allein.
Der wichtigste Mitspieler ist immer da: der Wasserstand.

Seit jeher lebt die Sächsische Dampfschifffahrt mit Pegelständen. Nicht abstrakt, sondern ganz konkret. Zu viel Wasser bedeutet Gefahr, Sperrungen, Stillstand. Zu wenig Wasser bedeutet Einschränkung, Umplanung, manchmal das gleiche Ergebnis. Dazwischen liegt der Alltag.

Für Kapitäne wie Roberto Lemke ist der Pegel keine Zahl, sondern Erfahrung. Er entscheidet, welche Strecke fahrbar ist, wie beladen ein Schiff sein darf, wie vorsichtig man manövrieren muss. Der Fluss wird gelesen – jeden Tag neu.

Niedrigwasser ist dabei kein Ausnahmezustand mehr, sondern eine wiederkehrende Realität. Besonders seit den frühen 2000er-Jahren prägt es die Planung der Flotte. Fahrpläne werden angepasst, Strecken verkürzt, Angebote verändert. Manchmal bleibt nur Abwarten.

Als der Geschäftsführer der Sächsischen Dampfschifffahrt nach seinem Wunsch für die Zukunft gefragt wurde, fiel die Antwort nüchtern aus: kein Niedrigwasser. Nicht, weil man den Fluss beherrschen will. Sondern weil man weiß, was Niedrigwasser bedeutet – für Gäste, für Mitarbeitende, für das gesamte Unternehmen.

Die Elbe gibt den Takt vor.
Und die Flotte reagiert.

Das erfordert Technik, die auf Flachwasser ausgelegt ist. Erfahrung, die über Jahre wächst. Und eine Mannschaft, die flexibel bleibt, auch wenn Planungen sich kurzfristig ändern. Entscheidungen fallen oft morgens – nach einem Blick auf den Pegel.

Gleichzeitig gehört auch Hochwasser zur Geschichte. Dann ist die Elbe mächtig, schnell, unberechenbar. Auch hier gilt: Sicherheit geht vor. Stillstand ist Teil der Verantwortung.

Zwischen diesen Extremen bewegt sich der Betrieb. Nicht spektakulär, sondern verlässlich. Die Schiffe fahren, wenn sie können. Und sie bleiben liegen, wenn sie müssen.

Das ist kein Mangel, sondern die Realität eines Flusses, der nie gleich bleibt. Wer auf ihm unterwegs ist, lernt Geduld. Und Demut.

Leben mit Pegelständen heißt, sich einzurichten, ohne sich einzurichten. Bereit zu sein, umzudenken. Und jeden Tag neu zu entscheiden, was möglich ist.

Die Sächsische Dampfschifffahrt tut genau das – seit Generationen.

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