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Kein Schiff fährt allein

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Man sieht sie oft nur für einen Moment. Oben auf der Brücke, Blick nach vorn, Hand am Fahrhebel. Für viele Gäste ist der Kapitän eine feste Figur: der, der das Schiff fährt.
In Wirklichkeit ist er etwas ganz anderes.

Ein Kapitän besitzt kein Schiff.
Er verantwortet es – auf Zeit.

Roberto Lemke weiß das wie alle anderen Kapitäne der Sächsischen Dampfschifffahrt auch. Und doch hat seine Geschichte einen dieser Wendepunkte, die man nicht planen kann – die aber alles verändern.

Eigentlich war sein Weg ein anderer. Roberto wollte den PD „Stadt Wehlen“ übernehmen. Das war der Plan. Ein klares Ziel, ein klares Schiff, ein klarer Gedanke. Und dann, wie so oft in dieser Flotte, spielten die Zeichen der Zeit ihre ganz eigene Rolle.
Auf dem Weg dorthin wurde ihm etwas anderes angeboten: das MS „Gräfin Cosel“.

Kein Tausch. Keine Beförderung. Keine Belohnung.
Sondern eine Frage.

Für Außenstehende klingt das banal. Für Kapitäne ist es ein Einschnitt. Denn ein Schiff ist kein Arbeitsplatz wie jeder andere. Es ist Technik, Verantwortung, Geschichte – und ein eigener Charakter. Man entscheidet sich nicht leichtfertig um.

Roberto nahm sich Zeit. Und sagte schließlich Ja.

Nicht, weil das MS „Gräfin Cosel“ „besser“ war. Sondern weil es da war. Weil es gebraucht wurde. Und weil genau darin etwas steckt, das viele Kapitäne erst später verstehen:
Man sucht sich sein Schiff nicht aus wie ein Auto.
Man wächst hinein.

Auf dem MS „Gräfin Cosel“ entwickelte sich genau das. Schritt für Schritt. Vertrauen. Gefühl. Verständnis für Eigenheiten. Für Reaktionen. Für das, was funktioniert – und für das, was man besser lässt. Aus einem Angebot wurde Verantwortung. Aus Verantwortung Bindung.

Und diese Bindung entsteht nie zwischen Kapitän und Schiff allein. Sie entsteht immer mit der Crew.

Denn auf dem PD „Diesbar“ wird anders gesprochen als auf dem MS „Gräfin Cosel“. Nicht aus Prinzip, sondern aus Notwendigkeit. Andere Technik. Andere Abläufe. Andere Geräusche.
Ein Dampfer hört anders zu.
Ein Motorschiff reagiert anders.

Kommandos sind deshalb keine starren Befehle. Sie sind Absprachen. Eingespielte Zeichen. Manchmal reicht ein Blick. Manchmal ein halber Satz. Hier präzise und knapp, dort ruhiger und erklärender. Nicht aus Willkür – sondern aus Erfahrung.

Roberto weiß: Ein Kapitän, der glaubt, alles allein entscheiden zu müssen, fährt kein Schiff. Er gefährdet es. Vertrauen ist keine Hierarchie, sondern ein System. In Maschinisten. In Matrosen. In Steuermänner. In Menschen, die ihr Schiff genauso ernst nehmen wie er selbst.

Und genau deshalb sind Kapitäne auch Springer. Arbeiter. Lernende. Heute hier, morgen dort. Auf dem MS „Gräfin Cosel“, auf dem PD „Stadt Wehlen“, auf dem PD „Diesbar“. Jedes Schiff verlangt etwas anderes. Jedes Team funktioniert anders. Und ein guter Kapitän passt sich an – ohne sich zu verbiegen.

Am Ende ist es immer dieselbe Elbe.
Aber kein Tag, kein Schiff und keine Crew ist gleich.

Und genau darin liegt die Stärke dieser Flotte:
in Kapitänen, die ihre Schiffe nicht besitzen,
sondern für sie da sind.
Und für die Menschen an Bord.

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