Zum Inhalt springen

Jahrhundertflut 2002 – als Vorbereitung wichtiger war als Panik

Es begann unspektakulär.
Ein Sommertag, schönes Wetter, keine Warnungen auf den ersten Blick. Und doch lag etwas in der Luft. Eine Information aus Tschechien, vertraulich, nüchtern formuliert: Es kommt ein Hochwasser. Kein normales.

Für Gerd-Rüdiger Degutsch, damals Technischer Leiter der Sächsischen Dampfschifffahrt, war klar: Jetzt zählt Erfahrung. Keine Hektik, keine großen Gesten – sondern Handeln.

Noch bevor die Elbe sichtbar anschwoll, wurden die Schiffe, die unterwegs waren, zurückgerufen. Fahrten abgebrochen, Gäste sicher an Land gebracht, Schiffe gesammelt. Ein Schritt, der sich später als entscheidend erweisen sollte. Denn als das Wasser kam, waren fast alle Schiffe dort, wo sie sein mussten: gesichert, bewacht, vorbereitet.

Hochwasser gehörte zum Alltag der Flotte. Sechs, sieben Meter Pegel – damit konnte man umgehen. Aber als die Elbe weiter stieg, über bekannte Marken hinaus, wurde klar: Dieses Hochwasser folgt anderen Regeln. Die Strömung nahm zu, Treibgut sammelte sich, Leinen mussten ständig nachgeführt werden. Rund um die Uhr waren Besatzungen im Einsatz, fuhren mit einem kleinen Wachboot von Schiff zu Schiff, kontrollierten, sicherten, reagierten.

Besonders kritisch wurde die Lage an der Carolabrücke. Der PD „Krippen“ lag dort – eine Position, die bei extremem Hochwasser eigentlich vermieden wird. Mit jedem Zentimeter Wasserstand rückte der PD „Krippen“ näher an die Brücke. Die Technik musste vorbereitet sein für den Ernstfall: Abbau von Aufbauten, Freischaffen von Spielraum, klare Szenarien für den Fall, dass das Wasser weiter steigt. Am Ende blieben rund 60 Zentimeter Luft. Genug – aber nur knapp.

Währenddessen kämpfte auch die Infrastruktur. Fahrscheinverkäufe wurden geflutet, Technik beschädigt, Büros zeitweise ohne Strom. Improvisation war gefragt: Ein Aggregat, eigentlich für ein geplantes Dampfschifffest bestellt, hielt den Betrieb am Laufen. Kommunikation wurde zur logistischen Aufgabe – denn die Sächsische Dampfschifffahrt ist kein einzelnes Gebäude, sondern ein Unternehmen, das sich über den Fluss verteilt.

Als der Pegel schließlich seinen Höchststand erreichte und langsam wieder fiel, begann die zweite Phase: Aufräumen, bergen, reparieren. Anlegestellen mussten mit Tauchern und Kränen geborgen werden. Pontons, tonnenschwer, Zentimeter für Zentimeter aus dem Wasser gehoben. Hilfe kam von überall – geplant und ungeplant. Menschen, die einfach fragten, ob sie helfen können.

Am Ende stand fest:
Kein Schiff ging verloren. Kein historischer Dampfer wurde zerstört.

Nicht, weil das Wasser gnädig war – sondern weil Erfahrung, Technik und Mannschaft funktioniert haben.

Die Jahrhundertflut 2002 wurde zu einer der größten Bewährungsproben in der Geschichte der Sächsischen Dampfschifffahrt.
Und zu einem Moment, der zeigt: Diese Schiffe fahren nicht nur auf der Elbe – sie werden von Menschen getragen, die wissen, was Verantwortung bedeutet.

Label