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Ich hab sie alle – die Sächsische Dampfschifffahrt im Kleinformat

Es beginnt, wie viele Dresdner Geschichten beginnen: an der Elbe. Als Kind war sie einfach da. Spielplatz, Abenteuerschauplatz, Lebensader. Die Dampfer gehörten dazu, ganz selbstverständlich. Man kannte sie, man sah sie, man hörte sie. Und irgendwann kam der Gedanke: Das müsste man eigentlich mal bauen.

Der Modellbauer, um den es hier geht, hat genau das getan. Nicht einmal. Nicht beiläufig. Sondern konsequent. Schiff für Schiff. Die Flotte der Sächsischen Dampfschifffahrt, vollständig nachgebaut – im Maßstab 1 : 400. Ein Maßstab, bei dem aus Relings feiner Draht wird, aus Stangen hauchdünne Linien und aus einem Schiff eine Herausforderung für Geduld und Präzision.

Der Weg dorthin war kein Zufall. Schon früh beschäftigte er sich mit Modellbau: Flugzeuge, Autos, Gehäuse. Handwerklich geprägt, technisch interessiert, mit einem Blick für Details. Und immer wieder die Elbe. Sie gehört zu ihm, sagt er. So selbstverständlich wie der Blutkreislauf. Daraus wuchs auch die Nähe zu den Raddampfern – nicht romantisch verklärt, sondern genau beobachtet.

Sein erstes Schiff war ein Dampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt. Gebaut Mitte der 2000er-Jahre. Kurz darauf stand er mit seinem Modell auf internationalen Wettbewerben. Dubrovnik, Weltmeisterschaften, Fachjurys. Was folgte, liest sich wie eine Randnotiz – ist aber außergewöhnlich: Vize-Weltmeister, Doppel-Weltmeister, erneut Vize-Weltmeister. Alles mit Fahrmodellen. Keine Standstücke, sondern funktionierende Miniaturen.

Was seine Arbeit auszeichnet, ist der Anspruch. Ohne Unterlagen geht nichts. Archive, Fachgruppen, Zeichnungen, Gespräche. Erst wenn die Basis stimmt, beginnt der Bau. Heute helfen 3D-Programme, Bauteile reproduzierbar zu machen. Doch vieles entsteht weiterhin von Hand: aus Metall, Kunststoff, Folien. Feinste Arbeit, oft im Zehntelmillimeterbereich. Eine Relingstärke von 0,15 Millimetern ist hier kein theoretischer Wert, sondern Alltag.

Und so entstand über die Jahre eine Miniatur-Flotte, die in ihrer Gesamtheit beeindruckt. Nicht, weil sie groß ist – sondern weil sie vollständig ist. Weil sie zeigt, wie viel Liebe, Wissen und Zeit in jedem einzelnen Schiff stecken. Und weil sie deutlich macht, dass die Sächsische Dampfschifffahrt nicht nur auf dem Wasser existiert, sondern auch in den Köpfen und Händen der Menschen dieser Stadt.

Ob es noch weitere Modelle geben wird? Ganz sicher. Modellbau, sagt er, sei wie ein Virus. Ein guter. Einer, der einen nicht mehr loslässt. Ideen gibt es genug. Spezialschiffe, Schlepper, technische Besonderheiten. Die Elbe liefert Stoff – und die Dampfer sowieso.

So erzählt diese Geschichte nicht nur von Miniaturen. Sie erzählt davon, wie ein Dresdner sein Hobby zur Berufung gemacht hat. Und davon, dass man die Sächsische Dampfschifffahrt auch dann weiterträgt, wenn man nicht mit den Schiffen fährt – sondern baut.

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