
„Ich bin Stahl, Echo und Elbe – die Laubegaster Werft erzählt“
Von den engen Flächen in Blasewitz bis zum 36.000-Quadratmeter-Heimathafen in Laubegast: Eine Werft erzählt ihre eigene Geschichte – kraftvoll, erdverbunden und durch Jahrzehnte des Schiffbaus geprägt.
Ich bin eine Werft.
Ich brauche Platz, Kraft und Menschen, die wissen, wie sich Stahl anhört, wenn er zu etwas wird.
In Blasewitz hatte ich davon irgendwann zu wenig.
Dort begann meine Geschichte: Seit 1855 entstanden an meinem alten Standort 43 Raddampfer und vier Dampffähren. Die ersten Schiffe mit elektrischer Lichtanlage. Das erste Oberdeck. Ich war stolz darauf – aber als das Blaue Wunder gebaut wurde und Blasewitz zum Villenviertel wurde, passten wir nicht mehr zusammen. Der Lärm meiner Hämmer störte. Der Geruch der Schmiede passte nicht zu frisch angelegten Gärten. Und mir wurde eng. Zu eng, zu teuer, zu leise.
Also zog ich weiter.
Nach Laubegast.
Dorthin, wo Platz war und niemand Angst vor Funken hatte.
Mein neuer Standort maß 36.000 Quadratmeter.
Endlich wieder Raum zum Atmen.
Die alten Sägewerksgebäude wurden zu meinen Büros und Lagern.
Eine eigene Dampfmaschine versorgte mich mit Energie.
Mein Schornstein ragte 25 Meter in den Himmel.
Und durch meine Haupthalle lief eine 85 Meter lange Transmissionswelle, die Maschinen und Generatoren antrieb.
Ich vibrierte wieder. Ich klang wieder wie eine Werft.
Ich bekam eine Schmiede.
Einen hölzernen Bockkran, der Dampfkessel bis zu 14 Tonnen heben konnte.
Zehn Karussell-Erdwinden, bedient von 80 Männern, die meine Schiffe ans Land zogen wie Kolosse auf Schienen.
Ab 1922 arbeiteten bis zu 250 Menschen im Winter bei mir – 180 im Sommer.
Im Rhythmus der Saison, im Rhythmus der Elbe.
1927 veränderte ich mich erneut: Die alten Helgen wurden abgebaut, eine Gleisanlage mit Slipwagen installiert. Es war ein Schritt in die Zukunft meines Handwerks. Präziser. Sicherer. Schneller.
Und in all diesen Jahren tat ich, wofür ich gebaut worden war:
Ich baute.
Ich reparierte.
Ich hielt die Flotte am Laufen.
Bis 1945 verließen über 125 Schiffe meine Hallen.
Jeder Rumpf ging über meinen Boden.
Jeder Kiel wurde hier gesetzt.
Jeder Stapellauf vibrierte durch meine Wände.
Ich erinnere mich an den Ersten in Laubegast: den PD „Auguste Victoria“ 1899.
Ein Schiff, das wie ein Versprechen klang, als es die Elbe berührte.
Fortan wurde ich zum Rückgrat der Oberelbe.
Fähren. Dampfer. Wartungen. Reparaturen.
Wenn ein Schiff Arbeit brauchte, kam es zu mir zurück.
Ich bin die Laubegaster Werft.
Ich bin Holz, Stahl und Maschinenkraft.
Ich bin Funkenflug und Winterarbeit.
Ich bin das Echo von Generationen, die Schiffe bauten, bevor sie Schiffe fuhren.
Man sagt, ich sei Tradition.
Ich sage:
Ich bin das Fundament, auf dem Elbgeschichte gebaut wurde.
Und ich erinnere mich an jedes Stück Stahl, das mein Boden getragen hat.