
Geteilt durch eine Brücke – Die Carolabrücken-Krise aus Sicht der Geschäftsführung
Der Einsturz der Carolabrücke war eine der schwersten Krisen der letzten Jahre. Für die Sächsische Dampfschifffahrt bedeutete er Stillstand, Umdenken und tägliche Entscheidungen unter Druck.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDer Einsturz der Carolabrücke war eine der schwersten Krisen der letzten Jahre. Für die Sächsische Dampfschifffahrt bedeutete er Stillstand, Umdenken und tägliche Entscheidungen unter Druck.
Der Anruf kommt nachts, gegen drei Uhr. Die Wasserschutzpolizei meldet sich. Die Carolabrücke ist eingestürzt. Für Stefan Bloch, Geschäftsführer der Sächsischen Dampfschifffahrt, ist sofort klar: Das wird kein normaler Tag.
Was folgt, ist eine der größten organisatorischen Herausforderungen der letzten Jahre. Die Elbe ist plötzlich nicht mehr durchgängig befahrbar. Ein Teil der Flotte liegt auf der einen Seite der eingestürzten Brücke, der andere auf der anderen. Fahrtrichtungen, Umläufe, Charterverträge – alles, was bis dahin selbstverständlich war, muss neu gedacht werden.
Zuerst geht es darum, den laufenden Tag zu retten. Es gibt Charterkunden, lange geplante Fahrten, Veranstaltungen mit vielen Gästen. Nichts davon lässt sich einfach absagen. Improvisation wird zur täglichen Aufgabe. Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, oft ohne zu wissen, wie lange diese Situation anhalten wird.
Die Krise verschärft sich, weil weitere Einschränkungen hinzukommen. Richtung Schandau ist zusätzlich eine Brücke gesperrt. Damit fallen ganze Streckenabschnitte weg. Gleichzeitig müssen Gäste längere Fußwege in Kauf nehmen, weil Anleger in der Innenstadt nicht erreichbar sind. Shuttle-Lösungen werden ausprobiert, stoßen aber schnell an wirtschaftliche Grenzen.
Was diese Zeit besonders belastend macht, ist ihre Ungewissheit. Anfangs geht man davon aus, dass die Brücke zügig entfernt wird. Wochen werden zu Monaten. Fast ein Jahr lang bleibt das Brückenteil im Wasser. Jeder neue Fahrplan ist nur eine Zwischenlösung.
In dieser Phase zeigt sich, was Führung bedeutet. Prioritäten müssen klar gesetzt werden. Wirtschaftlichkeit darf nicht aus dem Blick geraten, gleichzeitig steht das Team im Mittelpunkt. „Mann und Maus“, wie Stefan Bloch es nennt, ziehen mit. Crew, Technik, Verwaltung – alle arbeiten unter außergewöhnlichen Bedingungen.
Die Sächsische Dampfschifffahrt hält durch. Nicht, weil alles reibungslos läuft, sondern weil alle mitziehen. Entscheidungen werden transparent getroffen, Verantwortung wird getragen, auch wenn sie unbequem ist. Die Flotte bleibt handlungsfähig, trotz geteilter Strecken und eingeschränkter Möglichkeiten.
Als die Brücke schließlich geräumt ist und die Elbe wieder frei wird, ist die Erleichterung groß. Zum Abschluss dieser langen Phase gibt es ein sichtbares Zeichen des Dankes: eine Dampferparade. Sie gilt all jenen, die an der Bewältigung dieser Krise beteiligt waren – Bauarbeiter, Techniker, Firmen, Behörden. Und sie gilt auch dem eigenen Team.
Der Einsturz der Carolabrücke war mehr als ein infrastrukturelles Problem. Er war eine Belastungsprobe für das gesamte Unternehmen. Dass die Sächsische Dampfschifffahrt sie überstanden hat, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Zusammenhalt, klaren Entscheidungen und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn der Fluss plötzlich nicht mehr frei ist.