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„Ein Dresdner Dampfer macht Schule – bis nach Nordkorea“

Es gibt Begegnungen, die zunächst unscheinbar wirken – und sich später als außergewöhnliche Momente herausstellen. Die Sonderfahrt auf dem PD „Dresden“ am 3. Juni 1984 gehört zu diesen seltenen Ereignissen. An diesem Tag war der Dampfer Gastgeber einer koreanischen Regierungsdelegation unter Leitung von Kim Il Sung. Eine Fahrt, die auf der Elbe begann und deren Wirkung bis nach Ostasien reichte.

Der Dampfer präsentierte sich an diesem Tag so, wie Dresdnerinnen und Dresdner ihn kannten: als traditionsreiches Schiff, dessen Schaufelräder im eigenen Rhythmus über die Elbe griffen. Für die Delegation jedoch war dieser Anblick etwas Besonderes. Historische Technik, Handwerkskunst, die Eleganz der Seitenraddampfer – all das wirkte beeindruckend und ungewöhnlich zugleich.

Je länger die Fahrt dauerte, desto deutlicher wurde die Begeisterung. Es war nicht nur der Blick auf die vorbeiziehende Landschaft oder die Atmosphäre an Deck. Es war die seltene Kombination aus technischer Tradition und funktionierendem Alltagsbetrieb, die bei den Gästen starken Eindruck hinterließ. Der PD „Dresden“ war nicht nur ein Schiff, sondern ein funktionierendes Zeugnis lebendiger Elbeschifffahrt.

Beeindruckend, wie dem Einzigen Bild zum Thema mit den neuen Möglichkeiten wieder Leben eingehaucht werden kann.

Die Delegation zeigte großes Interesse an der Konstruktion, der Technik und der Geschichte des Dampfers. Und noch während des Besuchs entstand offenbar die Idee, ein Schwesterschiff zu bauen – nicht als Kopie, sondern als angelehnte Weiterführung eines historischen Vorbildes.

Auf dieser Grundlage wurden in der Hauptstadt Nordkoreas die vorhandenen Bauunterlagen ausgewertet. Die Konstruktionsprinzipien, die Proportionen und die äußere Form des PD „Dresden“ dienten als Maßstab. Zwei Jahre später, 1986, nahm das nachgebaute Schwesterschiff seinen Betrieb auf dem Taedong-gang auf. Ein Dresdner Dampfer als Vorlage – in einer Region, die mit der Elbe kaum Ähnlichkeit hat, aber dennoch den Reiz dieser Schiffe erkannte. Allerdings wird die koreanische Dampferkopie nicht mit einer Dampfmaschine angetrieben.

Die Geschichte zeigt, wie weit die Faszination für traditionellen Dampfschiffbau reichen kann. Ein Schiff, das in Sachsen seit Generationen unterwegs war, inspirierte plötzlich ein Projekt auf einem anderen Kontinent. Nicht durch Werbung, nicht durch Initiative, sondern durch eine einzige Fahrt, die Eindruck hinterließ.

Rückblickend ist es eine der ungewöhnlichsten internationalen Verbindungen in der Geschichte der Sächsischen Dampfschifffahrt. Der PD „Dresden“ wurde unverändert in seinem Heimatrevier weiterbetrieben – doch ein technischer Gedanke, ein Stück Konstruktionswissen, reiste weiter. Man könnte sagen: Während der Dampfer selbst auf der Elbe blieb, ging sein Prinzip auf Wanderschaft.

Heute erinnert diese Episode daran, dass Tradition nicht nur bewahrt, sondern auch geteilt wird. Dass ein Schiff nicht nur eine Strecke befährt, sondern auch Ideen transportiert. Und dass selbst ein regional verwurzeltes Verkehrsmittel Anklang finden kann, wo man es am wenigsten erwarten würde.

Der PD „Dresden“ blieb, was er war: ein Dampfer der Elbe.
Doch 1986 fuhr plötzlich ein Verwandter über den Taedong-gang – entstanden durch eine Begegnung, die nur ein einziges Mal stattfand.

Ein Dresdner Dampfer als Vorbild fernab der Heimat.
Eine Geschichte, die genauso selten ist wie der Klang eines Schaufelrades auf offenem Wasser.

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