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Der PD „Karlsbad“ – Prestige auf der Elbe

Als der PD „Karlsbad“ im Frühjahr 1898 in Dienst gestellt wurde, war er von Beginn an mehr als ein neues Schiff. Er war ein Zeichen. Für Anspruch. Für Komfort. Und für eine Dampfschifffahrt, die sich als Teil eines internationalen Reiseerlebnisses verstand.

Der PD „Karlsbad“ war der fünfte Oberdeckdampfer der Sächsisch-Böhmischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft. Seine Namensgebung folgte keiner Zufälligkeit. Kurgäste aus den westböhmischen Bädern sollten auf dem Wasser weiterreisen – von Dresden nach Bodenbach oder Aussig und von dort mit der Eisenbahn nach Teplitz oder Karlsbad. Die Elbe wurde Teil einer Kurreise.

Zeitgleich begann die Werft in Dresden-Blasewitz mit dem Bau der Schwesterschiffe des PD „König Albert“ und des PD „Karlsbad“. Für die Gesellschaft war dies ein besonderer Moment: Der PD „Karlsbad“ sollte der letzte Neubau der gesellschaftseigenen Werft bleiben. Ein Abschied auf hohem Niveau.

Diese neuen Oberdeckdampfer waren für Promenaden- und Eilfahrten vorgesehen. Sie führten ausschließlich 1. Klasse, verbunden mit einem deutlichen Preisaufschlag. Auf die Verpflegung der Reisenden legte man besonderen Wert. Reisen sollte nicht nur effizient, sondern angenehm sein.

Die offizielle Probefahrt fand am 20. Mai 1898 statt, gemeinsam mit dem Schwesterschiff PD „König Albert“. Mit dem Sommerfahrplan wenige Tage später gingen beide Dampfer regulär in Dienst. Der PD „Karlsbad“ etablierte sich rasch als repräsentatives Schiff der Gesellschaft.

Seine Bedeutung zeigte sich auch darin, dass mehrere Generalversammlungen der Gesellschaft an Bord stattfanden. In den Jahren 1918, 1919 und 1921 wurde hier über Geschäftsjahre beraten, Entscheidungen getroffen und Zukunft geplant. Der PD „Karlsbad“ war damit nicht nur Transportmittel, sondern auch Bühne.

Mit den Jahrzehnten änderte sich der Zeitgeist – und mit ihm der Name. 1946 wurde der PD „Karlsbad“ in den PD „Sachsen (III)“ umbenannt, 1951 folgte der Name PD „Junger Pionier“. Gestaltung und Symbolik passten sich den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen an.

Im Herbst 1987 erhielt der Kessel keine Zulassung mehr. Der PD „Junger Pionier“ wurde außer Dienst gestellt und im Hafen Dresden-Neustadt abgelegt. Der Zustand verschlechterte sich sichtbar. 1995 wurde der Dampfer nach Laubegast geschleppt. Ein letzter Besuch des Kapitäns Günther Walther im Jahr 1998 markierte den Abschied.

Ab 2001 erfolgte die Verschrottung – jedoch nicht als vollständiges Verschwinden. Das Denkmalamt verfügte den Erhalt wesentlicher Baugruppen. Die Dampfmaschine mit ihren Schaufelrädern blieb erhalten, ebenso zahlreiche weitere Bauteile. Der genietete Bug existiert bis heute.

Er kann im Verkehrsmuseum Dresden besichtigt werden – nur rund 300 Meter vom Elbufer entfernt. Ein kurzer Weg, der Geschichte greifbar macht. Wer diesen Weg geht, sieht, wie ambitioniert Dampfschifffahrt um 1900 gedacht war. Wie viel Technik, Handwerk und Haltung in einem Schiff steckten, das für Anspruch und Exklusivität gebaut wurde.

Und wenn man nach diesem Besuch wieder zurück an die Elbe tritt, liegt die Gegenwart direkt vor einem. Die Schiffe der Sächsischen Dampfschifffahrt warten dort, wo sie seit Generationen warten: am Fluss.

Die Geschichte des PD „Karlsbad“ endet nicht im Museum.
Sie setzt sich fort – draußen, auf dem Wasser.

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