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Der PD „Leipzig“ – gerettet an Weihnachten 1945

Als der Krieg vorbei war, war nichts wirklich vorbei.

Der Winter 1945 legte sich schwer über Dresden und die Elbe. Häuser lagen in Trümmern, viele Menschen hatten keine Wohnung mehr, kaum Nahrung, kaum Brennmaterial. Weihnachten stand vor der Tür – ein Fest ohne Geschenke, ohne Wärme, ohne Sicherheit. Und genau in dieser Zeit lag der PD „Leipzig“ beschädigt in der Elbe, auf Höhe der Kirche Maria am Wasser.

Bereits am 2. März 1945 hatte der Dampfer bei einem Fliegerangriff schwere Schäden am Heck erlitten. Wasser drang in das Schiff ein. Die Besatzung errichtete ein provisorisches Schott – eine Notlösung, mehr Hoffnung als Reparatur. Doch am 15. März 1945, beim ersten Bergungsversuch in Höhe der Schifferkirche Maria am Wasser, brach das notdürftig instand gesetzte Heck erneut ab.

So lag der PD „Leipzig“ den gesamten Sommer über gegenüber der Hosterwitzer Schifferkirche: der Witterung ausgesetzt, dem Verfall preisgegeben. Mehrere Abschleppversuche scheiterten – nicht aus mangelndem Willen, sondern am anhaltenden Niedrigwasser der Elbe. Und langsam wurde klar:
Wenn jetzt nichts geschieht, wird der PD „Leipzig“ verloren sein. Kein Schiff mehr. Keine Zukunft. Nur noch Rost im Wasser.

Und dann kam Weihnachten.

Ausgerechnet der Pegelstand der Elbe machte am Heiligen Abend und am ersten Weihnachtsfeiertag 1945 eine Bergung möglich. Ein schmales Zeitfenster. Ein Moment, der nicht wiederkommen würde.

Also kamen sie.
Kollegen. Freunde. Mitstreiter. Menschen, die selbst kaum etwas hatten.
Keine Feier. Kein Festessen. Keine Geschenke.

Stattdessen: Arbeit. Kälte. Verantwortung.

Man muss sich das vorstellen:
In einem Land, das selbst gerettet werden musste, entschieden Menschen, ein Schiff zu retten. Nicht, weil es bequem war. Nicht, weil es notwendig für den nächsten Tag war. Sondern weil sie verstanden, dass Dinge wie der PD „Leipzig“ mehr sind als Stahl und Holz. Sie sind Erinnerung, Identität, Möglichkeit.

Diese Rettung war keine Heldentat im klassischen Sinne. Sie war leise. Praktisch. Unaufgeregt. Und gerade deshalb so groß.

Der PD „Leipzig“ überlebte.
Und mit ihm die Idee, dass es sich lohnt, etwas zu bewahren – selbst dann, wenn man selbst kaum etwas besitzt.

Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte dieses Schiffes:
Dass es an Weihnachten gerettet wurde, nicht aus Überfluss, sondern aus Haltung.

Und dass genau darin seine wahre Bedeutung liegt.

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