
Der Moment der Klarheit
2020 steht die Sächsische Dampfschifffahrt still. Nicht, weil das Wasser fehlt – sondern weil Entscheidungen fällig werden. Die Insolvenz ist kein lauter Knall, sondern ein Moment der Klarheit. Alles liegt offen. Alles wird neu sortiert. Und aus dem Stillstand entsteht etwas Unerwartetes: Erleichterung, Vertrauen und der Mut, gemeinsam weiterzufahren.
Es gibt Momente, in denen ein Unternehmen nicht scheitert, sondern innehält.
Für die Sächsische Dampfschifffahrt war das Jahr 2020 genau so ein Moment.
Die Insolvenz kam nicht als Überraschung im eigentlichen Sinne. Die Zeit war geprägt von Unsicherheit, Ausfällen, Stillstand. Doch was folgte, war kein hektisches Reparieren und kein Schönreden. Sondern etwas, das selten geworden ist: ein radikaler Moment der Ehrlichkeit.
Plötzlich war alles auf dem Tisch. Keine gewachsenen Konstrukte mehr, keine komplizierten Umwege, keine halben Wahrheiten. Stattdessen Klarheit. Und mit ihr ein Gefühl, das viele im Team so nicht erwartet hatten: Erleichterung.
Denn mit der Offenheit kam die Möglichkeit, neu zu denken. Gemeinsam. Nicht über Köpfe hinweg, sondern miteinander. Entscheidungen wurden erklärt, Versprechen ausgesprochen – und eingehalten. Schritt für Schritt entstand etwas Neues, das sich vertraut anfühlte, weil es aus dem Inneren kam.
Für Astrid Rockel war diese Phase weniger ein Managementprozess als ein gemeinsamer Weg. Einer, auf dem Vertrauen sichtbar wurde. Einer, auf dem deutlich wurde, dass diese Flotte mehr ist als ein Betrieb: Sie ist ein Team aus Menschen, die Verantwortung tragen – füreinander und für etwas, das größer ist als der Einzelne.
Die Insolvenz war kein Ende. Sie war ein Wendepunkt.
Ein Moment, in dem man sich fragte: Wie wollen wir eigentlich arbeiten? Wie wollen wir miteinander umgehen? Und wie soll diese Flotte in die Zukunft fahren?
Aus diesen Fragen entstand ein neuer Kurs. Ruhiger. Klarer. Bewusster.
Nicht alles neu – aber vieles besser sortiert.
Heute wird weitergearbeitet, weitergefahren, weitergedacht. Mit Respekt vor der Geschichte und mit einem Blick nach vorn. Nicht spektakulär. Sondern verlässlich. Und genau darin liegt die Stärke dieses Neubeginns.
Manchmal braucht es keinen Sturm, um den Kurs zu ändern.
Manchmal reicht ein Moment der Stille – und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.