
Der Moment dazwischen – Marie, die Musik und das Ankommen auf dem Fluss
Als Musikerin begleitet Marie seit vielen Jahren Fahrten der Sächsischen Dampfschifffahrt. Sie erlebt einen immer gleichen Moment: Gäste kommen mit dem Alltag an Bord – und gehen mit dem Fluss wieder von Bord.
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Mehr InformationenMarie ist Künstlerin. Sie spielt Saxophon. Und sie kennt die Sächsische Dampfschifffahrt nicht von Fahrplänen oder Routen, sondern von Momenten. Von Blicken, Gesten und Stimmungen. Vor allem aber von dem Übergang, der sich auf einem Schiff immer wieder vollzieht.
Wenn die Gäste an Bord kommen, bringen sie ihr Leben mit. Termine, Gespräche, Verpflichtungen, Gedanken, die noch nicht fertig sind. Man sieht es an der Körperhaltung, am Tempo, an der Art, wie Taschen abgestellt werden. Viele sind noch nicht angekommen – weder auf dem Schiff, noch bei sich selbst.
Marie beobachtet das seit Jahren. Sie sieht, dass es Zeit braucht. Meist eine Viertelstunde. Manchmal etwas mehr. Die Gäste müssen erst merken, dass sich etwas verändert hat. Dass der Boden sich bewegt. Dass die Stadt langsam zurücktritt. Dass der Fluss übernimmt.
Ein Schiff ist dabei ein besonderer Ort. Man kann nicht einfach aussteigen. Für die Dauer der Fahrt bleibt man an Bord. Diese kleine Form des Eingeschlossenseins ist kein Nachteil – sie ist Teil der Erfahrung. Wer merkt, dass es gerade keinen anderen Ort gibt, beginnt oft, sich darauf einzulassen.
Die Musik begleitet diesen Prozess. Sie drängt sich nicht auf. Sie ist da. Sie mischt sich unter Gespräche, unter das Geräusch des Wassers, unter das gleichmäßige Vorankommen. Für Marie ist das kein Auftritt im klassischen Sinne. Es ist eher ein Mitgehen. Ein Wahrnehmen dessen, was sich im Raum verändert.
Nach einer Weile sieht man es den Gästen an. Die Schultern sinken. Gespräche werden leiser oder tiefer. Manche schauen lange auf den Fluss, ohne etwas sagen zu müssen. Andere lehnen sich zurück, als hätten sie gemerkt, dass gerade nichts weiter von ihnen verlangt wird.
Diese Veränderung passiert nicht abrupt. Sie geschieht schleichend. Und genau das macht sie so wirksam. Die Fahrt zwingt niemanden zur Ruhe. Sie bietet sie an. Und viele nehmen sie an – vielleicht gerade deshalb, weil es keine Alternative gibt, außer mitzufahren.
Wenn die Gäste am Ende wieder von Bord gehen, ist etwas anders. Nicht spektakulär. Nicht laut. Aber spürbar. Die Schritte sind ruhiger. Die Gesichter offener. Und nicht selten kommen Menschen noch einmal zu Marie, bedanken sich, nicken, sagen einen Satz wie: Das hat gutgetan.
Was sie dann meinen, ist nicht nur die Musik. Es ist der Moment dazwischen. Zwischen Ankommen und Abfahren. Zwischen Alltag und Loslassen. Zwischen Stadt und Fluss.
Marie erlebt diesen Moment immer wieder. Und genau darin liegt für sie die besondere Kraft der Sächsischen Dampfschifffahrt. Die Schiffe bringen Menschen nicht nur von einem Ort zum anderen. Sie geben ihnen Zeit, sich neu zu sortieren.
Man kommt anders an, als man gegangen ist.
Und manchmal ist genau das das Wichtigste an der Fahrt.