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Corona – Die Stadt im Stillstand, die Flotte im Ausnahmezustand

Als die Corona-Pandemie begann, veränderte sie Dresden innerhalb weniger Tage. Straßen wurden leer, Plätze still, Cafés dunkel. Es entstand ein Stadtbild, das viele Menschen nie zuvor erlebt hatten: kein Gedränge, kein Feierabendverkehr, kein Geräusch, das von Alltag erzählte. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten war die Stadt nicht in Bewegung – sondern im Wartestand.

Diese Stille fühlte sich seltsam an. Menschen blieben in ihren Wohnungen, arbeiteten plötzlich im Homeoffice, führten Gespräche über Bildschirme und bewegten sich mit Abstand voneinander durch den Alltag. Was früher selbstverständlich war – Nähe, Geselligkeit, Treffen, Veranstaltungen – war auf einmal riskant. Die Stadt wirkte wie gefroren, und jeder spürte, dass diese Zeit niemanden ausließ. Nicht privat, nicht beruflich, nicht emotional.

Auch die Sächsische Dampfschifffahrt war ein Teil dieser veränderten Welt. Die Elbe floss weiter, aber die Schiffe lagen still. Die Anleger waren leer, die Maschinenräume ungewohnt leise. Die Dampfer, die sonst täglich Gäste transportierten, standen da wie Bühnen, denen das Publikum fehlte. Und das war nicht nur ein wirtschaftliches Problem – es war eines der Atmosphäre, der Identität, des Selbstverständnisses.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war diese Zeit mehr als ein Betriebsausfall. Kapitäne, die seit Jahren täglich in den Morgen starteten, mussten zusehen, wie ihre Schiffe ungenutzt lagen. Decksleute, die sonst im Kontakt mit Gästen arbeiteten, hielten Abstand – nicht nur körperlich, sondern beruflich. Die Menschen, die Tickets verkauften, planten, reparierten oder warteten, konnten nur eingeschränkt tun, wofür sie da waren. Die Flotte musste lernen, wie man stillsteht.

Gleichzeitig ging es um mehr als Schiffe. Es ging darum, wie ein Traditionsunternehmen durch eine Phase kommt, in der Planung kaum möglich war. Jede Woche brachte neue Regeln, neue Einschränkungen, neue Unsicherheiten. Alle merkten, dass Corona nicht nur eine gesundheitliche Herausforderung war – sondern eine strukturelle.

Und dennoch: Der Zusammenhalt wurde spürbarer als zuvor.
Teams blieben in Kontakt, auch wenn sie nicht gemeinsam an Bord sein konnten.
Techniker sorgten dafür, dass die historischen Maschinen den Stillstand überstanden.
Die Verwaltung arbeitete mit Szenarien, die sich beinahe täglich änderten.
Und viele erkannten, wie sehr die Dampfer zur Stadt gehören – nicht nur als touristische Attraktion, sondern als Teil der Dresdner Identität.

Während Dresden leer blieb, blieben auch die Schiffe der Sächsischen Dampfschifffahrt leer. Doch hinter den Kulissen arbeitete man daran, vorbereitet zu sein – für den Moment, an dem die Türen wieder öffnen würden.

Und dann kam er: der Tag, an dem der erste Fahrgast wieder an Bord kam.

Es war kein Fest, kein lauter Auftakt.
Es war eher ein kollektives Aufatmen. Das Poltern eines Schritts an Deck. Der erste Gruß auf dem Fluss nach Monaten der Stille.

Die Schiffe füllten sich langsam wieder – erst vorsichtig, dann stetig – und die Stadt bekam ein Stück ihres Klanges zurück. Die Elbe hörte wieder Dampferpfeiffen und Schaufelradgeräusche, die Anleger sahen wieder Bewegung, und die Teams konnten wieder das tun, wofür sie da waren: Menschen aufs Wasser bringen und ihnen einen Moment schenken, der nicht von Krise geprägt war.

Corona war eine Zeit, die niemand vergessen wird: Dresden nicht, die Gäste nicht, die Flottencrew nicht. Sie zeigte, wie verwundbar ein System ist, das von Begegnungen lebt. Aber sie zeigte auch, wie belastbar diejenigen sind, die es tragen.

Und als der erste Dampfer wieder ablegte, wusste man:
Die Krise ist vorbei –
der Fluss fließt weiter –
und die Flotte auch.

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