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„Auf Kurs Richtung Zukunft“ – der PD „Dresden“ besucht Hamburg 1989

Es gibt Fahrten, die im Moment selbst noch ganz selbstverständlich wirken und erst rückblickend ihre Bedeutung zeigen. Die Reise des PD „Dresden“ nach Hamburg im Frühjahr 1989 gehört dazu. Sie wirkt heute wie ein Kapitel, in dem ein Dampfer einfach vorweggenommen hat, was wenige Monate später im ganzen Land spürbar werden sollte: Veränderung, Öffnung, Neugier, Verbindung.

Schon die Vorbereitung zeigte, dass hier etwas Besonderes bevorstand. Die Werft in Laubegast richtete das Schiff nicht nur technisch her, sondern präsentationsreif: neuer Außenanstrich, neue Stühle, Läufer im Salon, Messing-Gardinenstangen, frisch überarbeitete Außenbänke und sogar Schaukästen mit Material zur Oberelbe-Fahrgastschifffahrt. Der PD „Dresden“ sah aus wie ein Schiff, das etwas vorhatte – und genau so fühlte es sich auch an.

Am 26. April 1989 legte der PD „Dresden“ ab. Dresden – Riesa – Magdeburg – Wittenberge – Hamburg: eine Route, die wie ein Weg nach vorn wirkte. Begleitet vom MS „Nünchritz“ glitt der PD „Dresden“ durch Landschaften, die vertraut waren, und erreichte Orte, die für ihn neu waren. Und während diese langen Flusskilometer vorbeizogen, lag etwas in der Luft, das man damals vielleicht noch nicht benennen konnte – aber man konnte es spüren.

Hamburg empfing das Schiff mit Offenheit.
Ein historischer Seitenraddampfer aus Sachsen, mitten im Hafenfest, umgeben von Marineschiffen, internationalen Gästen und einer Stadt, die den Blick weit nach außen richtete. Und plötzlich stand der PD „Dresden“ mittendrin – nicht als Zuschauer, sondern als Teil des Programms.

Er diente als schwimmendes Restaurant, als Ort für Empfänge, als Bühne für sächsische Küche und Dresdner Handwerk. Menschen kamen an Bord, staunten über die traditionelle Technik, probierten Spezialitäten, stellten Fragen und nahmen den Dampfer so an, als wäre er ein fester Bestandteil dieser großen Feier.
Es war keine vorsichtige Annäherung.
Es war ein offenes Willkommen.

Und genau das macht die Geschichte im Rückblick so besonders:
Die Grenzen waren noch nicht gefallen – aber im Hafen fühlte es sich schon anders an.
Es war, als würde der Dampfer etwas vorwegnehmen: Begegnung, Austausch, Normalität.

Vom Peute Hafen brachte sich der PD „Dresden“ selbstständig an die Überseebrücke – ein kleines technisches Kunststück, das ihm zusätzlich Aufmerksamkeit verschaffte. Gegenüber lag zeitweise sogar ein Zerstörer der Bundesmarine, später die „ARK ROYAL“. Der PD „Dresden“, zwischen zwei Marineschiffen, wirkte dort wie ein Botschafter einer anderen Art: traditionell, verlässlich, offen.

Am 16. Mai begann die Rückreise. Der PD „Dresden“ unterfuhr bei Ebbe selbstständig die Hamburger Brücken, passierte die Grenzkontrolle, übernahm unterwegs Frischwasser und erreichte am 21. Mai um 10:30 Uhr wieder den Heimathafen Dresden-Neustadt.
Die Präsentation war ein voller Erfolg.
Und mehr noch: Sie war ein Gefühl.

Ein Gefühl, dass Verbindungen möglich sind.
Dass Begegnungen gelingen.
Dass Traditionen Brücken schlagen können – lange bevor politische Entscheidungen das Gleiche tun.

Heute wirkt diese Fahrt fast visionär:
Ein Schiff auf Kurs Richtung Zukunft, ohne dass man damals schon wusste, wie nah sie war.

Der PD „Dresden“ hat nicht die Wende gemacht –
aber er ist 1989 dorthin gefahren, wo man sie schon ein bisschen sehen konnte.

Und vielleicht ist das der schönste Teil dieser Geschichte.

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