
Abenteuer an Bord – erzählt von Peter Ufer
Zwischen Steuerrad, Bockwurst und Bühnenlicht: warum die Dampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt seit 190 Jahren Geschichten sammeln.
Man fährt auf einem Dampfer nie nur von A nach B.
Man fährt immer auch mitten hinein in Geschichten.
Seit fast zwei Jahrhunderten gleiten die Schiffe der Sächsischen Dampfschifffahrt über die Elbe. Sie tragen Fahrgäste, Waren, Musik, Gespräche – und manchmal auch Erlebnisse, die niemand geplant hat. Genau davon erzählt diese Geschichte. Nicht von Technik, nicht von Zahlen, sondern von dem, was passiert, wenn Menschen an Bord sind.
Peter Ufer kennt diese Momente gut. Aufgewachsen an den Elbhängen von Dresden, hörte er als Junge die Dampfpfeifen und träumte davon, eines Tages Kapitän bei der Sächsischen Dampfschifffahrt zu werden. Das Leben führte ihn auf andere Wege – bis er Jahre später selbst auf einem Dampfer stand, um Geschichten über Dresden vorzulesen.
Als der Dampfer in Pillnitz anlegte, stiegen die Gäste aus. Zurück blieben der Kapitän, der Maschinist – und Peter Ufer. Kaffee, Eierschecke, ein ruhiger Moment. Dann kam eine Frage, mit der niemand rechnet:
„Wollen Sie den Dampfer ein Stück steuern?“
Was danach passiert, lässt sich kaum nüchtern beschreiben. Ein Steuerrad in der Hand. Sechzig Meter Schiff. Tonnen von Stahl. Langsam entwickelnde Maschinenkraft. Die Elbe öffnet sich. In diesem Moment wird aus einer Kindheitserinnerung Realität. Nicht als Spiel, sondern als Verantwortung. Wer einmal gespürt hat, wie sich ein Dampfer unter den Händen bewegt, versteht sofort, warum diese Schiffe Ehrfurcht verlangen.
Doch genau diese Ehrfurcht kennt auch eine andere Seite.
Viele Jahre zuvor, bei einer sogenannten Schraubenfahrt, saßen Schauspieler, Techniker und Kollegen gemeinsam an Bord. Unter ihnen auch Tom Pauls. Man aß Bockwurst, trank Bier, redete über das Leben. Einer der Techniker, liebevoll „Magnetkopf“ genannt, kam mit einem Karton neuer Schuhe zurück an Bord. Ein kleiner Scherz, ein verschwundener Schuh, ein Moment Verwirrung – und am Ende flog der zweite Schuh gleich hinterher in die Elbe.
Komisch.
Absurde.
Unvergesslich.
Beide Geschichten könnten unterschiedlicher kaum sein. Und doch gehören sie zusammen. Denn sie zeigen, was die Dampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt wirklich sind: Orte, an denen Menschen Verantwortung spüren, lachen, scheitern, improvisieren und Erinnerungen sammeln. Für einen Moment Kapitän sein. Oder für immer Teil einer Geschichte, die man weitererzählt.
Dass Persönlichkeiten wie Peter Ufer oder Tom Pauls diese Schiffe betreten, ist eine Ehre. Dass sie dort Erlebnisse mitnehmen, die sie nie vergessen, ist kein Zufall. Seit 190 Jahren sind die Dampfer der Sächsischen Dampfschifffahrt nicht nur Fahrzeuge auf dem Wasser – sie sind Bühne, Begegnungsraum und Geschichtensammler zugleich.
Und vielleicht ist genau das ihr größtes Geheimnis:
Wer an Bord geht, weiß nie, ob er nur mitfährt – oder mit einer Geschichte wieder von Bord geht, die bleibt.